Lösung – Umweltprobleme

Von der altindischen-vedischen Kultur für die Lösung heutiger Umweltprobleme lernen

Seit September  2004 läuft in Berlin sehr erfolgreich die monatliche Vortragsreihe „Von alten Kulturen lernen“, wozu jeweils passende ‚Themen’, wie z.B. „Neues Denken und mechanistisches Weltbild“, „Die Intelligenz der Natur“, „Herrschaftswissen und Weisheit“, „Ist Wahrnehmung Wirklichkeit?“, „Was ist Wahrheit?“ etc.gewählt werden.

Die Gründe für diese Vortragsreihe und diese Themenauswahl sind vielfältig.

Hier einige davon:

1) Da es in der Umweltbewegung viele Konzepte und Handlungsvorschläge gibt, wie man umweltgerecht handeln soll, dieses aber entweder gar nicht oder nur begrenzt, oder nur im technischen Bereich umsetzt.

2) Da bei alten Kulturen Wîssenschaft/Philosophie/Religion noch nicht getrennt betrachtet wurden.

3) Da bei diesen Kulturen ein anderes Verständnis vom Leben existiert.

4) Da sie Spiritualität als Grundlage allen Lebens und aller Materie betrachten.

Meiner Meinung nach befindet sich unsere Welt in einem Selbstzerstörungsprozess, weil diese Auffassungen seit der Renaissance sukzessive abgebaut und schließlich ganz aufgegeben wurden.

Es wird immer wieder gefordert und vorgeschlagen, dass wir weniger konsumieren sollen, das Fliegen vermeiden sollten, weniger Energie verbrauchen und möglichst wenig Auto fahren sollten.

Nur tun wir das im Großen und Ganzen nicht!! Woran liegt das?

Hier einige Überlegungen dazu:

Ich denke, dass es

1) nutzlos ist Konsumverzicht zu fordern, wenn keine wirkliche, befriedigende Alternative dafür in Sicht ist.

2) unmöglich ist, eine echte, respektvolle Beziehung zu anderen Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) aufzubauen, wenn wir nicht wissen, was ein Lebewesen überhaupt ist.

3) ineffektiv sein muß, für die Erhaltung von Leben einzutreten, wenn es nicht in einer Spiritualität eingebettet ist.

Warum setzen sich die Vorträge nun schwerpunktmäßig mit der altindischen-vedischen Kultur (die weit über 5 000 Jahre alt ist) auseinander, in Verbindung mit  einer heutigen Physikrichtung, die ihren Ursprung in der Quantenphysik hat?

Die vedische Kultur, hochverehrt von Einstein, Humboldt, Schopenhauer, Hesse etc., behandelt in sehr detaillierter, logischer, „wissenschaftlicher“ Weise u.a. die Fragen nach dem Leben und dem Lebewesen, nach deren Ursprung, nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Materie, nach Naturgesetzen und Spiritualität.

Und sie untersucht, besonders in ihrem zentralen Werk, der Bhagavad Gita, auf sehr psychologische Art und Weise, Handlungs-Alternativen zu  Konsumbefriedigung und macht dazu sehr viele, sehr konkrete Vorschläge!

Sie unterstreicht immer wieder, dass Konsumverzicht niemals funktionieren kann, wenn nicht eine wirkliche Alternative mit einem ‚höheren Geschmack’ angeboten wird.

In dieser Kultur liegen ungeahnte Schätze für neue Denk- und Handlungsansätze verborgen, besonders auch dadurch, dass sie mit modernsten, physikalischen Erkenntnissen verglichen wird!

Es ist nutzlos ein anderes Denken, ein Zurück zu Spiritualität und zu anderem Handeln zu fordern, wenn nicht an überzeugenden Konzepten und Beispielen aufgezeigt  wird, worin dieses andere Denken und Handeln wurzeln sollen und warum Spiritualität mit beidem wieder eng verbunden sein sollte.

Die Quantenphysik und die vedische Kultur:

1) vereinen Wissenschaft und Leben

2) erklären, was Bewußtsein ist und seine ursächliche Rolle für Materie.

Nicht nur, dass die Quantenphysik und die vedische Kultur an einem Strang ziehen, sie bestätigen sich gegenseitig!

Was die vedische Kultur jedoch in diesem Zusammenhang betrifft, so geht sie weit über die Quantenphysik hinaus, da sie alle Ursachen in der Spiritualität sieht.

Sie beschreibt und analysiert im Detail, wie materielle und spirituelle Welt aufgebaut  sind.

Sie beschreibt im Detail, wie das Atom aus Bewusstsein entsteht und was seine Charakteristika sind, wie die Beziehung zwischen Zeit und Raum aussieht und der Aufbau des Universums.

Sie erklärt und unterstreicht:

1) dass Materie immer ein Produkt von Bewusstsein und diesem untergeordnet ist.

2) dass  Bewusstsein  ewig und die materielle Form vergänglich ist.

3) dass Leben immer von Leben kommt und  prinzipiell von Materie unabhängig ist.

4) dass Leben nie ohne Seele existieren kann und  nie unabhängig von einer höheren Intelligenz ist.

5) dass aller Ursprung von Bewusstsein und Materie spirituell ist.

6) dass durch diesen gemeinsamen Ursprung  alles Lebende und Materielle eng miteinander verbunden ist oder sogar eine Einheit bildet.

7) dass jedes Lebewesen eine individuelle Seele ist, welche sich  in jedem neuen Leben mit einem anders gearteten Körper umgibt, der das Bewusstsein der Seele mal mehr und mal weniger bedeckt oder verschleiert.

Was hat eine solche Auffassung nun zur Folge?

1) Wenn alle Materie durch Bewusstsein entsteht, dann müsste Materie ja auch durch Bewusstsein beeinflusst und verändert werden können, was Robert Jahn (leitender Quantenphysiker der Princeton-University) durch umfangreiche Forschungen schon seit langem bewiesen hat.

Das würde bedeuten, dass unser Handeln nur dann das gewünschte Ergebnis bringen kann, wenn dahinter ein ganz bestimmtes Bewusstsein liegt. Und es bedeutet auch, dass Handeln, ohne dass sich unser Bewußtsein tiefgreifend verändert hat, ineffektiv bleiben muß.

2) Wenn Leben nie unbeseelt ist, betrachten wir alle Lebewesen als Seelen und damit mit ganz neuem Respekt, mit Achtung und uns gleichwertig!

3) Wenn alles Leben göttlichen Ursprung hat und durch eine göttliche Ordnung getragen wird, müssen wir uns nicht nur dem Leben etc. zuwenden, sondern vor allem auch dem Göttlichen.

Wenn alle Materie von Bewusstsein durchdrungen ist, alle Lebewesen beseelt sind, alles was geschieht in Beziehung zu einer höheren Ordnung steht, bekommt alles, was wir sind und was uns umgibt, eine andere Bedeutung.

Das könnte zur Folge haben, dass uns das Materielle immer weniger interessiert, wir leichter auf Konsum verzichten können, denn wir entwickeln ja ganz langsam diesen „höheren Geschmack für Leben, nicht Materielles, für das Entdecken unseres Selbst und des Göttlichen“, von denen die Veden so viel sprechen.

Irmela Bittencourt
(Kunstwissenschaftlerin; verantwortlich für die Vortragsreihe „Von alten Kulturen lernen“), Juni 2007